AUSZUG aus:
Bildung in Baden-Württemberg.
Magazin Schule (Ausgabe 11)
Das ganze Spektrum der Bildung in Baden-Württemberg.

Begegnung mit der Armut




Bild 1: Bau der Mother-Child-Clinic am Wamba Hospital in Kenia.
Bild 2: Narayan Adhikari aus Bela zu Besuch in der Tuttlinger Wilhelmschule.
Bild 3: Patenschülerinnen der Irenes-Training-School Maralal zusammen mit Hansjörg Willig.

Schulen üben Entwicklungszusammenarbeit

Zahlreiche Schulen in Baden-Württemberg gestalten Projekte und Begegnungen für
und mit Menschen aus der »Dritten Welt«. Die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit
Baden-Württemberg hilft ihnen dabei.

Schule für Nepal

Die Wilhelmschule Tuttlingen hat ihrer Patenschule in Bela, etwa 50 Kilometer nördlich der nepalesischen Hauptstadt Katmandu, den Bau eines Schulgebäudes ermöglicht. Ein Patenschulteam von acht Hauptschülerinnen hat über drei Jahre vielfältige Benefizaktionen gestartet und Spenden gesammelt. Entstanden ist der Kontakt durch den Lehrer Wilfried Leibinger, der die Idee 1999 von einer Trekking-Tour durch Nepal mitbrachte. »Bei späteren Besuchen haben mir die Schülerinnen und Schüler Briefe mitgegeben, denn der Postverkehr ist sehr unzuverlässig, E-Mail gibt es so gut wie gar nicht«, berichtet Leibinger über die Bedingungen des Austauschs zwischen den Schulen.

Wichtig ist ihm, dass die Projektarbeit in den Unterricht einfließt. Zunächst waren die Jugendlichen eher distanziert, dann hat sie der Eifer gepackt. »Sie haben gemerkt: Entwicklungshilfe greift in der Nähe, und sie haben ein Gespür für den Nächsten vor Ort erhalten.«

Weitere Informationen über das Projekt unter http://www.haribol.de.vu

Begegnungen mit Menschen aus Entwicklungsländern erfahren konnten schon viele Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte aus Baden-Württemberg. Junge Menschen aus Heidelberg trafen sich in Südafrika mit Altersgenossen, gingen gemeinsam mit ihnen zur Schule, unternahmen Ausflüge und diskutierten über das Leben in Deutschland und im südlichen Afrika. Freiburger Gymnasiastinnen und Gymnasiasten haben eine Brieffreundschaft zu Schülerinnen und Schülern in Uganda aufgebaut. Dabei hörten sie von den finanziellen Schwierigkeiten der Schule und veranstalteten einen Basar, um aus dem Erlös ihre Freunde im nun nicht mehr so fernen Afrika zu unterstützen. Nach Gerlingen kommen Gäste aus Kolumbien an die Schule, berichten von ihrem Leben und nehmen dabei alle mit auf eine imaginäre Reise nach Lateinamerika.

Gleichberechtigtes Miteinander Die vielfältigen Begegnungen haben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern deutlich gemacht, dass die Lebenswelten zwar verschieden sind, aber Jugendliche hier wie anderswo gleiche Interessen, Freude an ähnlichen Dingen und vor allem die gleichen Ziele im Leben haben - sie sind Menschen wie du und ich. Diese Erkenntnis ist die Basis für eine Partnerschaft zwischen Klassen, Schulen oder allgemein dem Norden und Süden unserer Einen Welt. Partnerschaft bedeutet immer ein gleichberechtigtes Miteinander. Dies beinhaltet ein Mehr an Engagement als zum Beispiel bei einer Patenschaft, aber die Erfahrungen und Erfolge auf beiden Seiten sind umso nachhaltiger und wertvoller. Wichtig ist, dass alle Ebenen (Schulleitung, Lehrerschaft, Schüler, Eltern, Förderverein und andere) einbezogen werden und die Partnerschaft tragen. Dies kann sich, je nach Struktur, auch positiv auf die Kommunikation und Zusammenarbeit innerhalb der Schule auswirken.

Globales Lernen

Die stärkere Einbindung schulischer Arbeit in einen globalen Kontext - das so genannte globale Lernen - trägt zum besseren Verstehen der Einen Welt bei. Diesem Anliegen fühlt sich die 1991 vom Landtag von Baden-Württemberg ins Leben gerufene Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ) verpflichtet. Die SEZ ist im Bereich der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit zur Nord-Süd-Thematik tätig. Sie ist Clearing und Beratungsstelle für Einzelpersonen und Initiativen, die sich für die »Dritte Welt« interessieren oder engagieren. Die Unterstützung von Austausch und Vernetzung zwischen entwicklungspolitisch aktiven Personen und Gruppen sowie die Förderung privater, kommunaler und regionaler Initiativen zugunsten von Ländern der »Dritten Welt« sind Hauptaufgaben der Stiftung.

»Alles wirkliche Leben ist Begegnung.«
Martin Buber

Angebote für die Schüler Für den schulischen und außerschulischen Bereich will die Stiftung mit einer ganzen Palette von Informationen, Tipps, Bausteinen und Anregungen rund um das Thema Eine Welt helfen, Neugierde zu wecken, Fragen zu beantworten und den Blick über den Tellerrand zu wagen. Die SEZ versteht sich dabei als Servicestelle für globales Lernen.

Das Angebot umfasst Hintergrundinformationen zu Entwicklungsländern und Nord-Süd-Themen für den Unterricht, Impulsgebung zum Thema, Hilfe bei der Konzeption von Projekttagen und Vermittlung von Referentinnen und Referenten sowie Künstlerinnen und Künstlern. Die SEZ begleitet Schul- und Projektpartnerschaften von der Vorstellung bis zum Schüleraustausch. Sie ist Ansprechpartnerin für Interessierte, die Erfahrungen im Ausland, zum Beispiel im Rahmen von Workcamps oder Praktika sammeln wollen. Das bei der Stiftung ausleihbare Materialangebot reicht von Literatur und Arbeitsmaterialien bis hin zu Internetrecherchen. Darüber hinaus können das Video »Trinkwasser für Amazonien« mit didaktischem Begleitmaterial und die CD-ROM »Straßenkinder in Südamerika« zum Einsatz in der Schule erworben werden.
Anja Wünsch
Stiftung Entwicklungszusammenarbeit
Baden-Württemberg

Projekthilfe für Afrika

Das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Gernsbach arbeitet seit fast 30 Jahren auf dem Feld der Entwicklungszusammenarbeit. Es unterstützt zum Beispieleine Lepra-Station auf Madagaskar und den Bau von »Can-Villages« aus alten Getränkedosen für Aids-Waisen in Lesotho. Die umfangreichste Hilfe, an derauch Schulen aus Bühl und Umgebung beteiligt sind, geht nach Kenia mit Bildung, medizinischer Versorgung, Projektförderung und Hungerhilfe. »Durch die Beschäftigung mit der Thematik >EineWelt< und ihrer Umsetzung im Unterricht sollen Profitdenken, Materialismus und Konsumverhalten überdacht, relativiert und der Blick für die Lebenssituation und das Leid anderer Menschen geschärft werden«, begründet Schulleiter Hansjörg Willig die Arbeit seiner Schule.

Wichtig ist ihm die Einbindung in den Unterricht. Konkret übernimmt beispielsweise eine Klasse die finanzielle Unterstützung für ein Kind und pflegt Briefkontakt in der entsprechenden Fremdsprache. Schülerinnen und Schüler entwerfen selbst Unterrichtsstunden mit Informationen zum Projektland und stellen es anderen Klassen vor. Bei Projekttagen lernen die Schülerinnen und Schüler durch Spiele, Filme, landestypische Mahlzeiten, Musik und Kunst Land und Leute näher kennen.

Weitere Informationen unter www.asg-gernsbach.de

Info über die Patenschule der Tuttlinger Wilhelmschule.

Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg (SEZ),
Werastraße 24,70182 Stuttgart,
Telefon (0711) 2 10 29-0,
Fax (0711) 2 10 29-50,
E-Mail info@sez.de, www.sez.de

Für Lehrerinnen und Lehrer, die sich schon bisher für das Thema engagiert haben oder die es jetzt verstärkt an ihrer Schule aufgreifen möchten, findet demnächst ein Workshop statt. Ziel ist, die Teilnehmenden untereinander zu vernetzen und Tipps zu geben, wie die Entwicklungszusammenarbeit ein Thema für die ganze Schule werden kann. Nähere Informationen unter www.km-bw.de